Montag, 5. September 2011

Fotoschätze

Während des Umzuges meiner Eltern landeten diverse Koffer und Kisten mit Fotos, Briefen und Postkarten in unserem Keller. Unvorstellbar so etwas wegzuwerfen, ohne einen Blick hineingeworfen zu haben.  In den Untiefen dieser Taschen tauchten auch tatsächlich einige Kinderfotos auf. Ebenso Feldpostbriefe von 1942, leider in Sütterlinschrift und daher für mich nicht lesbar, Briefe die von Ost- nach Westberlin wanderten, während des Kalten Krieges, Postkarten, kleine Fotoalben mit Bildern aus Paris und London in den Nachkriegsjahren - den frühen fünfziger Jahren. Eine wahre Schatzkiste.
Meine angeheiratete Oma (Stiefoma sozusagen) war Fotolaborantin und hatte somit eine große Begeisterung für die Fotografie. Das Stöbern in den Kisten ergab dann etwas Besonderes, nämlich ihre Mitarbeit in der Fotoagentur Max Schirner in Düsseldorf, der seines Zeichens einer der bedeutendsten Sport-Fotografen des 20. Jahrhunderts war. Und das kleine Album meiner Oma zeugt davon, das sie tatsächlich ins seiner Agentur gearbeitet hat. Nun habe ich bei den Recherchen leider kein Foto des jungen Schirner gefunden und kann ihn nicht einwandfrei auf den Fotos identifzieren. Dafür bin ich auf das Archiv gestoßen, die sich um seinen Nachlass kümmern und habe Kontakt aufgenommen. Den unter anderem finden sich auf Aufnahmen der Olympischen Spiele 1952 aus Helsinki im Fundus. Eine Ausstellung der Schirner-Fotos war kürzlich im Deutschen Historischen Museum in Berlin zu sehen.

Die Leidenschaft für Fotografie hat Oma Ruth (so nannten wir sie) an ihren Sohn weitergegeben, meinen Ziehpapa. Und er an mich, denn von ihm bekam ich damals 1983 zur Konfirmation meine erste Kleinbildkamera, später dann 1989 meine erste Spiegelreflexkamera. Und da schließt sich der Kreis. Die Leidenschaft für Fotos und für Geschichten, das Bewahren von Erinnerungen, eine der Antriebsfedern in meinem Leben.
Vielleicht ist es albern, aber da wehte heute ein Hauch von Geschichte durch meinen kleinen Scrapkeller, als ich diese Fotos zuordnen konnte. Nun bekommen sie ein schönes Zuhause und die Geschichte von Oma Ruth wird  nicht ganz vergessen sein. In wenigen Tagen jährt sich ihr Todestag.

Wie heißt es doch so schön: Erst wenn sich niemand mehr an uns erinnert, werden wir vergessen sein.

Nachdenkliche  und beglückte Grüsse
aus dem herbstlichen Köpenick

Kommentare:

  1. Oh ja, diesen Hauch Geschichte kenne ich! Ich hatte regelrecht Gänsehaut als ich das erste Mal bewusst Fotos meiner Urgroßeltern in den Händen hielt!
    Leider sind die Fotos bei mir sehr spärlich dokumentiert und viele Familiengeschichten sind leider unwiederbringlich verloren gegangen.
    Deswegen finde ich das total klasse und ich kann deine Begeisterung verstehen, dass du da sogar historisch bedeutende Fotos gefunden hast. Hoffentlich wissen unsere Kinder mal unsere Arbeit in dieser Richtung zu schätzen ;-)

    LG Kathi

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  2. Eine schöne Geschichte! Alte Fotos der Groß oder Urgroßeltern sind was ganz tolles. Da sollten wir digitalen Fotografler mal ein bisschen drüber nachdenken

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  3. Wow, das ist ja ein toller Fund!
    Ganz viel Freude damit!

    LG Yvonne

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Danke, dass Du vorbeigeschaut hast!