Freitag, 5. November 2010

Leben in schwarz und weiß

Wenn man einmal die erste Phase des Scrapbookings durchlebt hat in der man zumeist die schönen Momente des Lebens festhält (gemeint sind die Klassiker wie Geburt eines Kindes, Hochzeit, Urlaub) kommt irgendwann der Moment an dem man das Bedürfnis hat, einen sehr traurigen emotionalen Moment seines Lebens ebenfalls in Bilder und Worte zu fassen und festzuhalten.
Aber es ist unendlich viel schwerer den Verlust eines geliebten Menschen oder eine schlimme Krankheit für einen selbst zum Scrapthema zu machen. Es hat durchaus einen Grund, warum es keine Embellishments zum Thema Tod, Beerdigung und Krankenhaus gibt, - man bringt diese Themen einfach nicht damit in Verbindung, sie in einem Fotoalbum festhalten zu wollen. Und sicherlich kommt dies auch nur den Scrappern in den Sinn, die erfahren haben, das Scrappen mehr ist als nur Hochzeitsbilder in Szene zu setzen. Wer Scrapbooking auch als etwas empfindet, was das Leben mit all seinen Schattenseiten, seinen Schwarz und Weißtönen „einfängt“ wird irgendwann diesen Tag erleben. Wie kann man solche Bilder verscrappen? Ein Journaling dazu schreiben?

Es ist in den meisten Fällen pietätlos Fotos auf dem Friedhof zu machen,- den wenigsten wird auch der Sinn danach stehen. Aber ein Bild des geliebten Menschen zu scrappen, fällt uns womöglich weniger schwer. Einen Brief zu schreiben, in dem man seinen Gefühlen freien Lauf lässt, wäre eine Möglichkeit. Vielleicht in regelmäßigen Abständen diesen Brief zu wiederholen, festhalten, wie sehr sich eigene Leben verändert hat, seit dem Verlust. Schreiben hat durchaus therapeutische Wirkung und kann befreiend wirken. Das kann ein verstecktes Journaling sein in einem großen Layout oder eingebundene Briefumschläge in einem Minibook.
Bei einem langen Krankenhaus-Aufenthalt zum Beispiel darf man durchaus einmal den Fotoapparat mitnehmen. Fotos von der liebsten Krankenschwester, den mitgebrachten Blumen, dem Besuch, dem Zimmer in dem man nun so viele Stunden verbringt, sind erlaubt und halten diese Lebensphase fest. Tagebuchartige Notizen zum Verlauf, der stetigen Besserung des Zustandes bis zur Genesung, den ein oder anderen lustigen Moment hat es möglicherweise auch gegeben, das Mittagessen, Rituale die man mag, die man hasst und eine nachdenkliche Definition, was das Leben „da draußen“ wohl gerade ohne einen macht.

Es ist vielleicht nicht ganz einfach, aber auch diese Themen sind ein Bestandteil des Lebens und wer sich traut, wird feststellen, dass es sich gut anfühlt und richtig und es eine befreiende Wirkung hat.
Manchmal sind die stillen Layouts, die, die keiner kennt, für einen selbst die Wichtigsten.

Artikel war für die dritte Ausgabe der Scrapperin, die Einführung zum THEMA "Die Schattenseiten des Lebens" und ist nicht veröffentlicht worden. So kann ich ihn jetzt hier zum Lesen freigeben.

Kommentare:

  1. :)... sag ich doch schon immer.
    LG Marion

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  2. Diesen Artikel hätten sie mal veröffentlichen sollen! Das Leben ist nicht nur Sonnenschein, und wenn das Scrapbook nachher eine Dokumentation des eigenen Lebens darstellen soll und man läßt die unschönen Aspekte aus, ist es doch nicht vollständig! Außerdem hab ich grad jetzt nach Krankheit und Tod meines Schwiegervaters wieder einmal festgestellt, wie gut es tut, wenn man auch solche Erinnerungen verscrappt. So hab ich ein Foto verscrappt, das nur die geschlossene Tür der Intensivstation zeigt. Was war es mir peinlich, dieses Foto zu machen..., aber ich wollte diesen Anblick unbedingt festhalten und nur für mich verscrappen. Und so hab ich meine Gedanken und Gefühle in diesen Tagen des Wartens aufgeschrieben und zusammen mit diesem Foto verarbeitet - im wahrsten Sinne des Wortes. Und ganz ehrlich: es ging mir besser danach! Und auch Friedhofsbilder lassen sich verscrappen, das hab ich vor 5 Jahren gemacht, als meine liebe Schwiegermutter gestorben war. Ich hatte ein Detailfoto vom Holzkreuz mit einem Ausschnitt der Kränze davor gemacht und hab ihr Portrait in einem Rahmen danebengesetzt mit einem schönen Spruch. Mein Schwiegervater war damals so gerührt darüber, daß er es bis heute an der Wand hängen hatte. Vielleicht will das nachher außer einem selber niemand wirklich sehen, aber so ein Fotoalbum ist doch in der Regel auch für einen selber gedacht, oder?
    LG von der Grid

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  3. Ich stimme ganz der Grid bei - ich hatte 2 Todesfaelle dieses Jahr allein, und irgendwie ist da immernoch nicht der "Funke" des scrappens der Tatsache (wie auch der OP Unfall meiner Mutter vor 2 Jahren) gesprungen... ich hoffe es aber!!

    Diesen Artikel haetten sie wirklich veroeffentlichen sollen!!

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Danke, dass Du vorbeigeschaut hast!