Samstag, 7. Februar 2009

Fundstücke - Die Weltbohnenkrise von 1984

Nachdem unser Keller zumindest auf einer Seite entrümpelt wurde - und nun mein Scrapreich ist - hat Michael sich an den Vorraum gemacht. Dort kamen heute einige Fundstücke zu Tage - der ganz besonderen Art
  1. Zeitungsartikel, in denen ich erwähnt bin
  2. Bilder von der Kinderlandverschickung 1974/1975
  3. Mein erstes Theaterstück
  4. Der Reisebericht vom Schüleraustausch nach Frankreich
  5. Klassenfotos von 1982
  6. Mein Schulordner Deutsch-Leistungskurs mit den Klausuren (alles Einser *smile)
  7. Mein Berichtsheft von der Ausbildung
  8. Meine Norbert-Schramm-Fan-Mappe (jaaaaa, ich war Fan und war es bis zu dem Tag, als ich erfuhr, das er beim Dschungelcamp mitmacht)

Ich habe Tränen gelacht beim Durchblättern. Und weil ich Euch das auf keinen Fall vorenthalten kann, hier ein selbstgeschriebener Sketch für Politische Weltkunde. Es ging darum die höchst absurden Entscheidungen in Brüssel zu erläutern. Ich habe keinen Aufsatz oder Referat gehalten - nein, ICH habe mit einem Klassenkamerad einen Sketch gespielt. Inspiriert war der Sketch übrigens von Loriot.

Die Weltbohnenkrise


A: Mein Name ist Schlettenbach, Prof. Dr. Schlettenbach! Ja, Herr Prof. Dr. Schrullheim, Sie haben ja damals im Bundestag die Schnittbohnenfrage...

B: Krise, Professor, Krise!

A: Ja eben, diese Krise entstand nur durch die Schnittbohnenfrage, die Sie angeschnitten,.... äh... angefragt... und behauptet..

B: Ich habe gar nichts behauptet, ich habe lediglich...

A: Ja das haben Sie und das war der Auslöser!

B: Lassen Sie mich jetzt ausreden. Ich habe über den...

A: Sie haben sich im Bundestag zwei Stunden über den Speisequark-Einfuhrstop ausgelassen ohne ein einziges Mal...

B: Das gehört nicht hierher Schlettenbach - Sie mit Ihrer außerparlamentarischen Opposition haben immerhin...

A: Ich kann Ihnen nicht mehr folgen ....

B: Sie verstehen wohl, dass Sie und ihre Fraktion.. und das es die Öffentlichkeit interessieren wird..

A: Sie schweifen vom Thema ab Herr Dr. Schrullheim, es ist eine Frage des sich ergänzenden fortschrittlichen Wachstum im Sinne der Zeit das...

B: Sie können doch aber nicht bestreiten...

A: Aha.

B: Sie können doch aber nicht bestreiten...

A: Was wollen Sie damit sagen?

B: Drücke ich mich so undeutlich aus?

A: Ich verstehe nicht!

B: Geben Sie es doch zu!

A: Ich werde..

B: Jetzt geben Sie es aber zu!

A: Was?

B: Danke das genügt!

A: Mit mir nicht! Die Schnittbohnenfrage steht als solche über jeder parteipolitischen...

B: Hört, hört!

A: Unterbrechen Sie mich nicht!

B: Ich habe Sie nicht unterbrochen, ich wiederhole nur was ich bereits im Bundestag...

A: Aha.

B: Nicht wahr?

A: Nicht wahr?

B: Sie verstehen doch wohl?

A: Das haben sie gesagt nicht wahr?

B: Jawohl, und des wird sie interessieren..

A: WEN? WO? Wird was interessieren?

B: Nun ja - hmmm.

A: Was die Öffentlichkeit interessiert ist das was sie Unter der Verlautbarung römisch 4 Strich 2 Ziffer 394 bis 398 des Europarates vom 28.7.1967 bezüglich der Ergänzungsklausel "Frischbohnen" verstanden haben.

B: Wo waren Sie denn während der Debatte über Vereinheitlichung der allgemeinen Bestimmung bezüglich Steuererleichterungen für Kleinbetriebe aus mittelbetrieblichen Agrarabfällen Herr Dr. Schlettenbach!

A: Sie haben meine Frage nicht beantwortet!

B: Wo waren Sie da!?

A: Ich stelle fest, dass Sie in allen entscheidenen Punkten meine Fragen nicht beantwortet haben. Diese Methode ist bezeichnend für die Machenschaften ihrer abgewirtschafteten Partei!

B: Ihre unsaubere Argumentation ist eine Belastung für das Ansehen des Bundestages und ich verweise noch einmal auf ihre bescheidene Manipulierung der Ergänzungsklausel "Frischbohnen"

A: Könnten wir vielleicht wieder auf die Kernfrage zurückkommen?

B: Zu klären wäre jetzt noch die Schuldfrage!

A: Es muß in der Bundesrepublik bestürzen, dass die deutsche Bohne als Qualitätserzeugnis einst auf dem Weltmarkt führend, kaum 0,02 % der Exportquote ausmacht... aber trägt hieran nicht allein der Bundeskunz, Entschuldigung, Bundeskanzler Schuld?

B: Ich befinde mich in einer Anstalt öffentlichen Rechts und lasse mich nicht in dieser Weise von ihnen provozieren!

A: Lenken Sie nicht ab! Unsere Partei hat mehr als 12000 Verbündete in aller Welt und wir können uns nicht erinnern, dass zu der Zeit als wir die Regierung stellten, schon jemals eine Krise solchen Ausmaßes dagewesen ist.

B: Erinnern wir uns doch nur an die Nudelkrise aus dem Jahre 1952 als sich auf dem Gebiet der Teigwarenproduktion zwischen Frankreich und Deutschland schwerwiegende Differenzen ergaben

A: Das war doch ein ganz anderes Problem. Es war beschämend, dass gerade die linksintellektuelle studentische Jugend an der Nudelfrage völlig vorbei diskutierte. Wusste man den in Kommunarkreisn überhaupt welche entscheidene Rolle die Kraus-Nudel im politischen Bewußtsein des Deutschen Volkes spielte? Das linksintellektuelle Unbehagen an der stürmischen Entwicklung der deutschen Teigwarenindustrie konnte uns nicht hindern, in der Arbeit fortzufahren, unbeirrt, nüchtern, nudelbewußt. Was man ja von Ihnen nicht behaupten kann.

B: Moment mal! Sie waren es doch, der behauptet hat, ich hätte in meinem letzten Gespräch mit dem französischen Staatspräsidenten von einem breiten Angebot von unzureichenden Bohnen gesprochen. Dabei referierte ich lediglich von einem Angebot an breiten Bohnen. Und wer solche Falschmeldungen in die Welt setzt, von dem kann man doch nicht erwarten, dass er die Bohnenkrise löst!

A: Jedenfalls wird sich in diesen Tagen entscheiden, ob ihre Koalition an der Bohne zerbricht oder ob sich neue Impulse an ihr entzünden.

A+B (reichen sich kamerabewußt die Hand) Ich kenne keine linke und keine rechte Bohne, es gibt nur eine Deutsche Bohne!

10. Klasse, Politische Weltkunde, 1984

1 Kommentar:

  1. einfach HERRLICH ;-) ich bewundere deine Mühe hier alles so toll im blog festzuhalten!

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