Mittwoch, 14. November 2007

18 Jahre - Die Wende wird volljährig....

so heißt zur Zeit eine Serie über Berlin im Tagesspiegel. Und auf einigen BLOGS waren persönliche Erinnerungen und Erlebnisse rund um den 9.11.1989 zu lesen. Ob ich diesen Tag jemals vergessen könnte? - bestimmt nicht. Ich habe damals im Berliner Abgeordnetenhaus gearbeitet - in der Parlamentsverwaltung - genau ein Jahr lang - vom 3.9.1989 bis 30.09.1990. Es war das spannende Jahr der Wende, der Neuorientierung, das Jahr in dem in Berlin im wahrsten Sinne alles drunter und drüber ging. Und es war mein Geburtstag.

Tote Bahnhöfe wurden zum Leben erweckt. Die Geschäfte waren leergekauft. Überfüllte U-Bahnen. Endlose Schlangen an allen Banken für das Begrüßungsgeld. Dutzende Überstunden im Parlament und ich war hautnah dabei, habe der deutschen Geschichte über die Schulter gesehen, war dabei als Assistentin des Präsidenten, als Gesetze verabschiedet wurden. Das kann nicht jeder von sich behaupten und ich bin mehr als glücklich über diese Erfahrung, diesem Hauch von "großer" Geschichte in meinem Leben.

Freiwilliger "Dienst" in der Parlamentsverwaltung Ost - im Sommer 1990. Ich hätte Dutzende von spannenden Geschichten hierzu. Dieses Gefühl zu beschreiben, plötzich in einer fremden Stadt zu leben, katapultiert in eine neue Dimension, so kam es mir vor. Da lebte ich zu diesem Zeitpunkt bald 20 Jahre in Berlin und mußte feststellen, das ich Touristin in der eigenen Stadt wurde. Über Nacht. Erinnerungen, auch die meiner Familie, die ja Berliner Wurzeln hat, und die ich bis dahin nur aus den Erzählungen meiner Oma kannte, Spaziergänge unter den Linden, die großartigen Berliner Theater im Ostteil, unvergessliche Inszenierungen.

Und irgendwann - es war ein schleichender Prozess - gab es "faule Ossis" und Besser-Wessis und die Forderungen nach einer neuen Mauer wurden laut, auf beiden Seiten. Ich verstand die Welt nicht mehr.

Inzwischen haben wir uns arrangiert. Und doch gibt es Ablehnung, immer noch spürbar. Nachbarn, die Wessi's ablehnen. Wessis, die uns im "Osten" nicht besuchen wollen.

Und ich spüre, das diese Ablehnung erst von der nächsten oder übernächsten Generation überwunden wird, diese Mauer in den Köpfen wird vererbt, soviel ist inzwischen klar. Spürbar am Nachbarschaftszaun.

Unsere Kinder wachsen im tiefsten Südosten der Stadt auf,- im grünen, idyllischen Köpenick. Ohne den Mauerfall würden wir kein eigenes Haus besitzen, vieles wäre anders. Ob es besser wäre? Nein. Für mich definitiv nicht. Die Mauer hat mich viele Jahre begleitet, war so normal wie sie eben sein konnte. Sie hat mich aber auch von meiner Familie getrennt, machte jede Fahrt nach Hamburg zum Abenteuerurlaub. Meine längste Reise nach Hamburg dauerte - DANK Grenzkontrolle - 16 Stunden,
Pfingsten 1984.
NEIN, ich vermisse nichts. Ich wünsche mir mehr Toleranz gegenüber einer anderen Lebensgeschichte, mehr Verständnis, mehr Zuversicht, mehr Akzeptanz. Auch deshalb wohne ich im Osten.

Unbegreiflich,- ich sags jetzt mal "ganz platt": Ossis, die auf den Westen schimpfen und ihrer alten DDR nachtrauern, aber nicht auf ihren Urlaub in der DomRep verzichten wollen. Unbegreiflich auch, die Wessis - die auf den Osten schimpfen aber sich freuen, das sie nach Hamburg nicht mehr 6-7 Stunden sondern nur noch 2 Stunden brauchen.

Es ist wie immer im Leben, jedes Ding hat zwei Seiten. Und akzeptieren muß man beide. Sonst wird man so wie unsere Nachbarn (nicht empfehlenswert).

Für meine Kinder ist dies alles kein Thema mehr. Sie kamen im vereinten Deutschland zur Welt, werden vieles nur noch aus Geschichtsbüchern kennenlernen,- aus persönlichen Aufzeichnungen und Scrapbooks erfahren, wie wir diese Geschichte erlebt haben.

Naturgemäß habe ich wenig Fotos aus dieser Zeit. Ein paar wenige Aufnahmen aus dem November 1989, ein paar wenige aus dem Parlament. Es wird Zeit, sie zu verscrappen.

Kommentare:

  1. Ich freue mich noch immer darüber, daß die Mauer weg ist -ich kann mich noch gut an diese Zeit erinnern. Und einer meiner besten Freundinnen kommt aus dem ehemaligen Osten - wenn es nicht passiert wäre, hätten wir uns nicht kennengelernt. Ich verstehe diese Jammermentalität auch nicht- aber das scheint halt für die meisten Deutschen der Lebensinhalt zu sein - alles schlecht reden und jammern!

    AntwortenLöschen
  2. Ich kann mich Nat in allem nur anschließen!
    Ich bin froh, daß es keine Mauer mehr gibt und ich danke Dir für Deinen super Blogeintrag!!!

    AntwortenLöschen

Danke, dass Du vorbeigeschaut hast!